Kirchengemeinden

Kirchen in der PV-Offensive

Tausende Photovoltaik-Anlagen wird KSE Energie innerhalb der nächsten Jahre auf kirchlichen Gebäuden in Baden-Württemberg installieren. Ein weiteres Pilotprojekt dieser Offensive, gleichzeitig das erste Projekt der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ist die Photovoltaik-Anlage auf dem Kirchendach in Schnürpflingen.

Es ist (nur) ein Steinchen in dem bunten Maßnahmen-Mosaik zum Klimaschutz, und doch ist es „der Beginn von etwas ganz Großem“, wie Diözesanbaumeister Dr. Thomas Schwieren mit Blick auf die angestrebte Netto-Treibhausgasneutralität der Diözese Rottenburg-Stuttgart 2040 sagt: Die erste Photovoltaik-Anlage der Diözese aus der groß angelegten „PV-Offensive“ ist montiert und seit 31. Januar 2024 in Betrieb.

Die Nennleistung der Anlage beläuft sich auf 33,6 kWp (Kilowatt-Peak), der jährliche Solarertrag soll 37.000 kWh betragen. Rechnerisch können damit rund zehn Haushalte ihren Strombedarf vollständig decken. Der gewonnene Strom wird voll in das Netz eingespeist, denn bei Kirchen lohnt sich das Eigenverbrauchsmodell aufgrund der geringen Eigenverbrauchsquote in der Regel nicht, so Schwieren.
 

Ästhetische Ansprüche und Denkmalschutz

Bei einem Ortstermin in Schnürpflingen im Dezember 2023 haben Vertreter des Bischöflichen Bauamts, der Kirchengemeinde Mariä Unbefleckte Empfängnis und der KSE Energie die Anlage bereits inspiziert und sich von der technischen und gestalterischen Umsetzung ein Bild gemacht.

Bei der Auswahl der Module wurde großen Wert daraufgelegt, dass die Anlage hohen ästhetischen Ansprüchen genüge, betont Dr. Klaus Bing, Projektmanager Energiedienstleistungen bei der KSE Energie. „Es gab schon auch Bedenken, wie das dann nachher so aussieht“, räumt Karl Völk, gewählter Vorsitzender des Kirchengemeinderats in Schnürpflingen, ein. „Aber wir sind zu einer einhelligen Entscheidung gekommen.“ Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die mattschwarzen Module harmonieren gut mit der schwarzen Haube des Kirchturms, der unter Denkmalschutz steht. Damit die PV-Anlage nicht durch Tauben beeinträchtigt wird, wurde ein ästhetischer und effektiver Taubenschutz montiert, erklärt Bing.
In der Vergangenheit stellten Auflagen des Denkmalschutzes ein Hindernis dar, Photovoltaik auf denkmalgeschützten Gebäuden zu installieren. Dank neuer Leitlinien für die Genehmigungsbehörden können in Baden-Württemberg denkmalfachliche Belange unter bestimmten Bedingungen zurückgestellt und Verfahren beschleunigt werden. „Denkmal- und Klimaschutz gehen Hand in Hand“, freut sich Schwieren.
 

Wichtige Kooperation für die Energiewende

Schnürpflingen ist eines der Pilot-Projekte in der PV-Offensive, die die Diözese Rottenburg-Stuttgart zusammen mit der Erzdiözese Freiburg und den beiden Evangelischen Landeskirchen in Baden und in Württemberg in Kooperation mit ihrem selbst gegründeten Energieversorger KSE Energie gestartet hat. Strategie und Umsetzung unterscheiden sich in den beteiligten Kirchen, das übergeordnete Ziel der Bewahrung der Schöpfung Gottes verbindet sie.

Der Diözesanrat hat Ende November 2023 das Klimaschutzkonzept 2040 beschlossen. Demnach soll die Diözese Rottenburg-Stuttgart bis dahin treibhausgas-neutral sein. „Wir wissen, das schaffen wir nur mit einer Wärmewende und strombasierten Heizungsanlagen“, erklärt der Diözesanbaumeister. „Dafür brauchen wir viel mehr Strom und der muss aus ökologischen Ressourcen geschaffen werden – deswegen die PV-Offensive.“ Den Beitrag dieser Offensive zur Klimaneutralität beziffert Schwieren auf 12 bis 15 Prozent. Ziel sei es, mit der aktuell in den Geburtswehen steckenden "DRS regenerative Energie GmbH" in den nächsten zehn, zwölf Jahren mehr als 1700 Anlagen mit KSE Energie zu bauen. „Wir sehen mit der eigenen Tochter KSE Energie ein riesiges Potenzial, das zu machen.“
 

Unterstützung für Kirchengemeinden

Weil Kirchengemeinden mit der Realisierung einer PV-Anlage oft überfordert wären, bietet KSE Energie bei der Umsetzung der PV-Offensive ein „Rundum-Sorglos-Paket“: KSE Energie plant und installiert die Anlage und kümmert sich um die Betriebsführung; die Kirchengemeinde erhält einen kleinen Pacht-Obolus pro Kilowatt-Peak, der eher symbolischer Natur ist. „Das gemeinsame Ziel ist, kosteneffizient, zügig und mit möglichst geringem Aufwand für Gebäudeeigentümer und Verwaltungen hochwertige PV-Anlagen auf Gebäuden der verfassten Kirche innerhalb Baden-Württembergs zu realisieren“ erklärt Tim Ronkartz, Geschäftsführer der KSE Energie.

Rund 200 solcher Anlagen sind für eine erste Umsetzungsrunde im Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart schon beschlossen und in der Finanzierung gesichert. 14 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. Bei den betroffenen Gebäuden handelt es sich in etwa je zur Hälfte um Kirchen und um Kindergärten.
Speziell historische Kirchen, die in der Regel „geostet“ sind und deshalb eine Dachhälfte in Süd-Ausrichtung haben, sowie Kindergärten, die einen hohen Eigenverbrauch haben, zählt Projektmanager Bing zu den idealen Gebäuden, auf denen große Anlagen mit 30 kWp oder mehr möglich sind. Auch Gemeinde- und Pfarrhäuser bieten in vielen Fällen ein gutes Potential.
 

Gutes Zusammenspiel

Bei der PV-Offensive sollen anstehende Dachsanierungen dazu genutzt werden, Kirchendächer mit PV-Anlagen auszustatten. In Schnürpflingen konnte man das zu diesem Zweck aufgestellte Baugerüst bei der Installation der Solar-Module nutzen und damit Kosten sparen. Neben einer kurzen Planungs- und Bauzeit ist Bing auch zufrieden mit dem guten Zusammenspiel der beteiligten Akteure und freut sich auf weitere Umsetzungen: „Die Installation von Photovoltaik auf kirchlichen Gebäuden ist im Hinblick auf die Erreichung der Klimaneutralitätsziele unverzichtbar. Die Kirchen dabei zu unterstützen und zu entlasten, sehen wir als wesentliche Aufgabe der KSE Energie.“

 

Co-Autor: Pavel Jerabek